Abb.: Georg Thumbach: Kirchenwald (Malaktion) (Georg Thumbach)
Sonderausstellungen im Kirchenmuseum Kößlarn
2022: Marias Hilfe – Eine Ausstellung im Kößlarner Kirchenmuseum zum Passauer Mariahilf-Jahr 2022

(Andrea Groisböck)
Gnadenorte sind wundersam und meist auch rätselhaft. Was war der Grund, der Menschen seit dem Jahr 1364 bewog, nach Kößlarn zu einem neuen Marienheiligtum zu ziehen, bei ihm Hilfe für ihr Leben zu erflehen? Warum wurde1622, vor genau 400 Jahren, ein Marienbild, das ein frommer Domdekan auf dem Schulerberg über der Stadt Passau aufstellte zum neuen, vielbesuchten Wallfahrtsziel mit Ausstrahlung in ganz Europa?
Solchen Fragen geht die Sonderausstellung im Kirchenmuseum Kößlarn in seiner Ausstellungssaison 2022 nach (April bis Oktober). Den Anlass bietet das Mariahilf-Jahr des Bistums Passau. Die Hilfe Mariens erhoffte man sich nämlich nicht nur in der Wallfahrtskirche hoch über der Domstadt
In der Ausstellung geht es um den Glauben an die Hilfe Mariens, um Gnadenorte und Gnadenbilder. Themen sind die historische Gestalt Mariens, ihre Verehrung und ihre Rolle als weibliche Figur im christlichen Glaubenskosmos. Dabei geht es nicht nur um Geschichte: Fünf renommierte zeitgenössische Künstlerinnen und ein Künstler aus Bayern und Österreich beschäftigen sich mit existenzieller Not in modernen Seuchenzeiten, mit der Verehrung von Gnadenbildern oder der weiblichen Seite Gottes.
Zu sehen sind Werke von Bettina Dittlmann, Petra Fohringer, Evelyn Kreinecker, Eva Priller, Georg Thuringer und Susanne Wagner. Ihre zeitgenössischen Interpretationen treten in einen spannenden Austausch mit den historischen Exponaten.
2021: Georg Thumbach – Kirchenwald

Das „Frauenholz“ nannte man einst jenes ausgedehnte Waldgrundstück, das in Kößlarn nachweislich seit 1472 Bauten und Seelsorge rund um die Wallfahrt zum wundertätigen Gnadenbild „Unserer Lieben Frau“ unterhielt. Bis heute wird die einzigartige spätmittelalterliche Kirchenburganlage maßgeblich mit den Einnahmen aus diesem „Kirchenwald“ finanziert. Seit einigen Jahren hat die Kirchenverwaltung auf nachhaltige Waldwirtschaft mit Naturverjüngung umgestellt. Der ehemalige Forstamtsleiter Elmar Thumbach hat als Jagdpächter zugleich die forstliche Betreuung übernommen.
Die Ausstellung im Kößlarner Kirchenmuseum macht diesen Wald, seine Geschichte und seine heutige Bewirtschaftung zum Thema. Sie wird in einer informativen Medienstation von Georg Thuringer zu sehen sein. Die kulturgeschichtliche und naturfachliche Darstellung wird eingefasst von einer künstlerischen Auseinandersetzung, die den Wald zum Aktionsort macht.
Der 1972 geborene Georg Thumbach ist Sohn des erwähnten Jagdpächters. Er studierte an der Akademie für Bildende Künste in München, war Meisterschüler bei Ben Willikens, Träger verschiedenster Preise und Stipendien, u. a. erhielt er den Kulturpreis des Landkreises Passau. Seit jeher beschäftigt er sich mit dem Material Holz und mit dem Wald. Den Kößlarner Kirchenwald setzt er an Ort und Stelle, in einzigartigen Portraits mit kräftigem schwarzen Kohlestift und in großen Formaten ins Bild: keine Landschaftspanoramen, kein romantisches Waldidyll, sondern lebensgroße Details und wilde Strukturen aus dem Dickicht.

Die Ausstellung ist Teil des Projektes „Landschaftsmalerei an Rott und Inn“, das mit Mitteln aus dem EU-Förderprogramm Leader und der Kulturstiftung des Bezirks Niederbayern gefördert wird.
Im Landkreis Rottal-Inn sowie in Kößlarn im Landkreis Passau sind dabei 19 Ausstellungen an zehn Orten, in zeitlicher Reihenfolge und teils auch parallel, zu sehen. Das Spektrum reicht von Fotografie über Malerei bis hin zur Installation im öffentlichen Raum. Die Verbundausstellung zeigt wie vielfältig und wie spannend die Umsetzungen vom 19. bis ins 21. Jahrhundert waren und sind.
Gefördert durch:


2017: Geschäfte machen im Rottal. Kößlarner Gewerbe und Wirtschaftsleben seit 1800

Eine Multivision im Gedenken an Benno Hennhöfer
Historische Fotografien, Dokumente und Augenzeugenberichte über das Leben von Geschäftsleuten und Handwerker im Markt Kößlarn während der vergangenen beiden Jahrhunderte. Ein kurzweiliger Blick auf das Wirtschaftsleben in einem Rottaler Markt vor gar nicht so langer Zeit.
2016: 150mal gebenedeit. Der Rosenkranz

Es geht nicht nur um katholische Gebetsketten. Der Rosenkranz steht für die Kultur einer mystisch inspirierte Gebetstradition. Bruderschaften, Bilder und Skulpturen von Rosenkranzverleihungen, aber auch Gebetsschnüre aus anderen Religionen erzählen davon.
2015: Markt-Erneuerung. Kößlarner Ansichten in Rück- und Ausblick

Die Dorferneuerung ist schon lange ein wichtiges Thema in Kößlarn. Im kommenden Jahr steht nun die Sanierung des Marktplatzes an. Das einzigartige Ensemble aus Wehrkirche und Bürgerhäusern zieht nicht umsonst Gäste aus allen Richtungen an. Das Kirchenmuseum Kößlarn hat seine Räume mittendrin, in der Wehranlage der Kirchenburg. Was lag also näher, als die Erneuerung des Marktes nun zum Thema einer Sonderausstellung zu machen?
Wie hat sich der Marktplatz im Laufe des letzten Jahrhunderts verändert? Wo standen Marktbrunnen und Mariensäule? Welchen Wandel erlebten die Häuserfassaden? Wie lebten die Menschen dahinter? Die Besucher können nun selbst auf Entdeckungsreise gehen: Auskunft geben zahlreiche Original-Postkarten aus der Sammlung des früheren Kößlarner Pfarrers Hans Schiermeier, Ansichten einzelner Gebäude, die Benno Hennhöfer zusammen getragen hat, dazu Stiche und Zeichnungen. Moderne Aufnahmen stellen den heutigen Zustand gegenüber, aber auch die Planungen für die anstehende Sanierung sind einbezogen.
Die Ausstellung ist beileibe nicht nur für Einheimische interessant. Die vielfältigen Darstellungen aus alten Zeiten erlauben es, in vergangene Lebenswelten eines Rottaler Marktes einzutauchen. Was bleibt und was sich verändert hat, kann in einem anschließenden Gang durch das einmalige Kößlarner Markt-Ensemble an Ort und Stelle überprüft werden.
2014: Wunder im Wacholder. 650 Jahre Wallfahrt nach Kößlarn

Ein Marienbild in einem Wacholderbaum stand am Anfang: Im Jahr 1364 wurde es entdeckt. Der kranke Bauer vom Kesselhof fand dort Heilung. Das war die Geburtsstunde der Wallfahrt nach Kößlarn. Der Ort zählt zu den ältesten Marienwallfahrtsorten in Bayern und dürfte der einzige Markt sein, der seine Existenz allein einer Wallfahrt verdankt.
Die Ausstellung „Wunder im Wacholder“ erinnert an die vielen Wallfahrer, die im Laufe der Jahrhunderte hierher pilgerten. Im Mittelpunkt steht das „Wallfahrtslibell“ aus dem Jahr 1448. Darin werden 134 Orte genannt, die eine jährliche Wallfahrt nach Kößlarn versprochen haben. Einige von ihnen zeigen sich auch heute noch dem Wallfahrtsort verbunden und stellen hochwertige Exponate für eine Ausstellung.
Das Spektrum reicht von liebevoll geschnitzten Krippenfiguren über wertvolle Kirchengeräte bis hin zu einer barocken Kirchenfahne. Zum Bruder-Konrad-Jahr 2014 ist als Leihgabe der Pfarrei Weng das Taufgeschirr des Heiligen in Kößlarn zu sehen.
2013: Transeamus – Krippen und Weihnachten im Rottal

Ganz in weihnachtlichem Gewand präsentiert sich das Kößlarner Kirchenmuseum vom 1. Dezember 2012 bis 13. Januar 2013. Zu sehen sind eine Reihe, teils erstmals gezeigter Krippenwerke, Fatschenkindl, Klosterarbeiten und historischer Weihnachtsschmuck.
Im Mittelpunkt stehen die beiden großen Kößlarner Krippenwerke: Noch aus der Barockzeit stammen die liebevoll geschnitzten und bekleideten Gliederpuppen mit Hirten in Rottaler Tracht und prächtigen Königen mit Gefolge. Frisch restauriert präsentiert sich die „Münchner Krippe“ aus dem 19. Jahrhundert mit über 200 Figuren, Engeln und Tieren. Die Vielfalt der verwendeten Materialien und die mühevollen Verarbeitungstechniken werden eindrucksvoll vor Augen geführt. Die Restauratorin Sabine Schwab erläutert die Erhaltungsmaßnahmen.
Darüber hinaus stellen die Krippenbauer Walter Madl aus Vilshofen und Walter Wanninger aus Aunkirchen ihr Arbeit vor. Gemalte und gedruckte Darstellungen der Weihnachtsgeschichte ergänzen die Präsentation in den stimmungsvollen historischen Räumen der Kößlarner Kirchenburg.
2012: Mei liabstes Stück

Vom 14. Oktober bis zum 1. November 2012 ist die Wanderausstellung „Mei liabstes Stück“ im Kirchenmuseum Kößlarn zu Gast. Die Ausstellung vereinigt die schönsten Stücke aus rund 20 Museen entlang der Rottaler Museumsstraße in Niederbayern und der Pramtaler Museumsstraße in Oberösterreich.
Vom 1625 datierten Kupferpfennig bis zum Bronze-Modell eines Künstlerbrunnens von 2007, vom magischen Verkeilholz (Was ist das?) bis zur wertvollen Goldhaube reicht das Spektrum der „liebsten Stücke. Das Kößlarner Kirchenmuseum repräsentieren zwei Hirtenfiguren aus der Barockkrippe. Und jedes Museumsding hat seine Geschichte …
2011: Alles hat seine Zeit …

Die natürliche Rhythmisierung der Zeit durch den Jahreszyklus, die Mondphasen und den Wechsel von Tag und Nacht bestimmt das Leben des Menschen ebenso wie der anderen Lebewesen.
Diese ,irdischen‘ Zyklen fanden immer schon ihre Entsprechung in übernatürlichen Vorstellungen; auch die markanten Punkte des christliche Jahreskreises richten sich daran aus: Ostern bedeutet Auferstehung und Neubeginn – auch der Natur, Weihnachten die (Wieder-) Geburt des Lichts am dunkelsten Tag des Jahres.
Zeitmessung – zunächst durch Beobachtung der Gestirne, später mit Instrumenten von der Sonnenuhr bis zum Atomchronometer – ist die Grundlage langfristig geplanten Handelns: Aussaatkalender und Interkontinentalflugplan folgen den selben Prinzipien.
Maximilian Schnall aus Kößlarn hat das Kirchenuhrwerk, das einst sowohl die Zeiger des Zifferblatts auf der Empore im Kircheninnenraum als auch das Zeiger- und Schlagwerk auf dem Kirchturm antrieb, restauriert und wieder in Gang gebracht.
Die Präsentation dieser Arbeit nehmen wir zum Anlass, in einer kleinen Sonderschau auf einige Aspekte von Zeitwahrnehmung, sowohl aus christlichem als auch aus historischem und technischem Blickwinkel aufmerksam zu machen.
2010: „Schaut mir auf mein Bayernland!“. Sonderausstellung zu Joseph Karl Nömaier

Karl Nömaier (1831-1912) war ein Multitalent: Priester und über 30 Jahre hochgeachteter Seelsorger der Pfarrei Kößlarn, Autor, Spielleiter und Bühnenbildner legendärer Rottaler Laienspiele und nicht zuletzt ein talentierter Zeichner und Maler seiner bayerischen Heimat.
Erstmals ist nun dieses malerische Werk in einer Studioausstellung zusammengefasst: Skizzen und Aquarelle aus seinem „Traumbuch“ aber auch ausgeführte Leinwandbilder. Sein offenes Auge und ein lockere Pinsel erfassen charmante Genreszenen, stimmungsvolle Landschaftsaquarelle und detailgenaue Ortsansichten. Zu sehen sind Darstellungen aus der Gegend seiner Halsbacher Heimat: Margarethenberg, Burgkirchen an der Alz, Raitenhaslach u. a. aber auch aus seinen priesterlichen Wirkungsorten in Erlbach und Kößlarn.
„Schaut mir auf mein Bayerlandl!“, soll der Pfarrer noch kurz vor seinem Tod ausgerufen haben. Die Ausstellung bietet nun die Gelegenheit, dieser Aufforderung mit den Augen des Künstlerpriesters nachzukommen.


